Drei Siebe

»Christus ist uns gemacht zur Weisheit...«, sagt uns Paulus in 1. Kor.1,30. Das schliesst nicht aus, dass auch andere Menschen durchaus wertvolle Gedanken geäussert haben. Das trifft auf jeden Fall auf die nachstehende Geschichte zu. Irgendwann hatte ich mir diesen Text abgeschrieben und abgelegt, ohne einen Quellenvermerk gemacht zu haben. Jetzt fiel er mir wieder in die Hände. Ich möchte ihn Euch nun zur Nachahmung weiterreichen:

Zu Sokrates kam einer gelaufen, und er war voller Aufregung. „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund...“ – „Halt ein!“ unterbrach er ihn, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?
„Drei Siebe?“ fragte der andere voller Verwunderung. „Ja, guter Freund, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ – „Nein, ich hörte es erzählen und...“ – „So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, dem Sieb der Güte. Ist das, was du erzählen willst - wenn schon nicht als wahr erwiesen - so doch wenigstens gut?» Zögernd sagte der andere: Nein, das nicht, im Gegenteil ...“
„Hm“, unterbrach ihn Sokrates, „so lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzahlen, was dich so erregt.“ – „Notwendig nun gerade nicht, aber...“.
„Also“, lächelte Sokrates, „wenn das, was du mir erzahlen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Soweit diese Geschichte, die doch hochaktuell ist. „Zunge in Madeira“ mag ein leckeres Mittagessen sein; die Zunge in unserem Mund jedoch kann uns bitter aufstossen, denn mit ihr richten wir allerhand Unheil an - zu unserem eigenen Schaden! »Ich sage euch. Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden« (Mat. 12,36-37).

Das ist eine deutliche Mahnung zu überlegtem Reden. Sicherlich kann der Ratschlag, diese drei Siebe zu benutzen, eine gute Hilfe sein.

»Denkt an die Schiffe: Sie sind gross und werden von starken Winden getrieben, und doch lenkt sie der Steuermann mit einem ganz kleinen Steuer, wohin er will. So ist auch die Zunge nur ein kleines Körperglied und rühmt sich doch grosser Dinge. Und wie klein kann ein Feuer sein, das einen grossen Wald in Brand steckt. Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist der Teil, der den ganzen Menschen verdirbt und das Rad des Lebens in Brand setzt; sie selbst aber ist von der Hölle in Brand gesetzt... Die Zunge kann kein Mensch zähmen, dieses ruhelose Übel, voll von tödlichem Gift. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die als Abbild Gottes erschaffen sind. Aus ein und demselben Mund kommen Segen und Fluch. Meine Brüder, so darf es nicht sein« (Jak. 3,4-10).

Welchen Schaden man mit der Zunge anrichten kann, wird uns auch bewusst, wenn wir an den Begriff "Rufmord" denken. Jakobus macht in seinen Worten aber deutlich, dass mit unserer Zunge nicht nur Dritten geschadet wird, sondern wir schaden uns selbst ganz erheblich!
Sie vergiftet, verdirbt unser eigenes Leben und gib Satan Raum in unserem Leben für sein zerstörerisches Wirken. Diesem Gesichtspunkt müssen wir viel mehr Aufmerksamkeit widmen, denn durch die Sünde werden wir nicht nur schuldig vor Gott, sondern wir betrügen uns selbst, sägen wir doch den Ast ab, auf dem wir sitzen! Wir können nicht Unrecht reden und unsere Hände zugleich in Unschuld waschen. So hätten wir das wohl am allerliebsten, und so verhalten wir uns auch.

Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird (Heb.13,14), schliesst auch die Heiligung der Zunge ein; sie muss ganz unter die Herrschaft Christi gestellt werden. Das geschieht nicht auf geheimnisvolle Art und Weise, sondern indem wir unsere Gesinnung ändern und bewusst leben und reden!

Wir Menschen sind in unserem Wesen recht unterschiedlich. Die einen reden schnell und viel, während andere bedächtig, ja fast schweigsam sind Ganz gleich, wie wir auch veranlagt sind, wir müssen lernen, zu schweigen, wenn es angebracht ist, aber auch lernen, zur rechten Zeit das richtige Wort zu reden!

Wenn wir uns von ganzem Herzen bemühen, »den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist« (Eph. 4,24), dann werden wir auch unsere Zunge beherrschen und in den Dienst Gottes stellen lernen: »Redet nicht schlecht voneinander. Was ihr sagt, soll für jeden gut und hilfreich sein, eine Wohltat für alle. Sonst beleidigt ihr den Heiligen Geist, den Gott euch gegeben hat ... Mit Bitterkeit, Jähzorn, Wut, gehässigem Gerede oder anderen Gemeinheiten sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Seid vielmehr freundlich und barmherzig, immer bereit, einander zu vergeben, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat… Genauso wenig passt unanständiges, gemeines und zweideutiges Gerede zu euch. Eure Sache ist es vielmehr, Gott zu danken und ihn zu loben« (Eph. 4,29-32; 5,4; Übersetzung: Hoffnung für alle).

Das neue Leben aus Gott, das uns in der Wiedergeburt aus Wasser und Geist geschenkt wird, muss sich entfalten können. Wie ich es bereits sagte, liegt der Schlüssel zur Entfaltung des neuen Lebens aus Gott in unserer Gesinnung: »Weil ihr Gottes Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder, mit Leib und Leben für Gott da zu sein. Seid ein lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt. Einen solchen Gottesdienst erwartet er von euch. Nehmt nicht die Forderungen dieser Welt zum Massstab, sondern ändert euch, indem ihr euch an Gottes Massstäben orientiert. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt« (Röm 12,1-2).

Gottes Wort ist Anleitung für unser Leben. Deshalb müssen wir diesem Wort Raum in unserem Herzen einräumen, damit wir auch unsere Zunge unter Kontrolle bekommen und mit ihr Gottesdienst tun: »Trennt euch ganz entschieden von allem Gemeinen und Bösen. Nehmt vielmehr bereitwillig Gottes Wort an, das er wie ein Samenkorn in euch gelegt hat. Es hat die Kraft, euch zu retten« (Jak. 1 ,20-21).

Paulus unterstreicht diese Aufforderung, wenn er sagt: »Lasst das Wort Christi seinen ganzen Reichtum bei euch entfalten. Achtet darauf, dass es bei euch richtig verkündigt und verstanden wird. Ermutigt und ermahnt euch gegenseitig, und dankt Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch der heilige Geist schenkt. Lasst all euer Tun - euer Reden wie euer Handeln - im Namen unseres Herrn Jesus Christus geschehen. So könnt ihr Gott, dem Vater, für alles danken« (Kol 3,16-17).

Wo Gottes Geist, sein Wort und sein Wille unser Herz ganz erfüllt, da wird auch die Zunge in Zucht gehalten! Da beherzigt man dann auch den Rat des Jakobus: »Denkt daran, liebe Bruder: Seid immer sofort bereit, jemand zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selber redet« (Jak. 1,19).

Wenn wir das zu unserer Regel machen, dann bleibt uns auch genügend Zeit, um beim Redenwollen zuerst alles die drei Siebe passieren zu lassen, bevor wir die Worte aussprechen. Ich bin sicher, dass dann vieles nicht mehr ausgesprochen wird, was jetzt noch leicht über unsere Lippen geht!

Merken wir uns also »Wer sich fromm hält, dabei aber geschwätzig ist und seine Zunge nicht zügeln kann, der macht sich selbst etwas vor. Seine Frömmigkeit ist wertlos« (Jak. 1,26).
(Karl Kallus)